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Interdisziplinärer Forschungsverbund
Digital Humanities in Berlin

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Nachlese 23. Berliner DH-Rundgang am DFKI (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz)

Am Montag, den 5. Februar 2018, fand der 23. Berliner DH-Rundgang des Interdisziplinären Forschungsverbunds für Digital Humanities (if|DH|b) in den Räumlichkeiten des DFKI (Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz) in Berlin, Alt-Moabit statt. Hier finden Sie die vollständige Nachlese.

Mit über 20 Teilnehmenden aus verschiedenen Institutionen, Universitäten und Archiven war der Konferenzraum des DFKI gut besucht. Die einleitenden Worte übernahm Prof. Dr. Sebastian Möller (DFKI Language Technology Lab) mit der Vorstellung des Quality and Usability Labs der Technischen Universität Berlin. In seiner Präsentation stellte er die verschiedenen Arbeitsthemen wie Quality, Audio and Augmented Reality, User Experience und Next Generation Crowdsourcing vor. Am Beispiel von Computerspielen zeigte er aktuelle Forschungsfragen auf, die sich unter anderem mit der Quantifizierung und Modellierung menschlicher Erfahrungen in der Interaktion mit Maschinen beschäftigen. Das Spektrum erstreckt sich von der Entwicklung interaktiver Systeme (wie Chatbots), über die Simulation von Nutzerverhalten bis hin zu Dimensionsanalysen, die u.a. in der Techniksoziologie Anwendung finden. Ein wichtiges Thema stellte dabei das Phänomen des Crowdsourcings dar, bei dem Simulationen auf Nutzerdatenbasis zur Erstellung von Trainingsmaterialien eine tragende Rolle spielen (sogenannte “Human Intelligence Tasks”, beispielsweise mithilfe von Tools wie crowdee). Als Forschungswerkzeug dient dieses Verfahren zur Entwicklung von Methoden, die die Nutzergruppenklassifizierung erleichtern und somit die Weiterentwicklung von Motivationstheorien unterstützen. (Folien)

Im zweiten Teil stellte Dr. Georg Rehm (DFKI, Senior Consultant, Language Technology Lab) die Thematik der Künstlichen Intelligenz im Zusammenhang mit Sprachtechnologie vor. Zentrale Eingangsfragen waren unter anderem, wie sich Fachwissenschaftler bei Crowdsourcing verhalten und welche Ergebnisse mit Hilfe der Crowd-Methodik im Vergleich zu empirischer Laborforschung erwartet werden kann.

Neben einem Überblick der klassischen Methoden der Sprachtechnologie aus der Computer- und Psycholinguistik stellte er aktuelle Entwicklungen der KI im Kontext der Erforschung der Sprache vor. Die Evolution der Forschungswerkzeuge verzeichnet im Bereich der Digital Humanities schon seit den 90er Jahren einen Anstieg in Richtung TEI- und X-Technologien zur Erschließung großer Korpora mit auszuwertenden Sprachdaten.

In einem nächsten Schritt stellte Dr. Georg Rehm das Projekt META NET (A Network of Excellence forging the Multilingual Europe Technology Alliance) und dessen Technologie- und Infrastrukturbedarfe in Bezug auf Sichtbarkeit, Dokumentation, Identifizierung, Verfügbarkeit, Langzeitspeicherung und Interoperabilität vor. Das Portal META SHARE und dessen Weiterentwicklung, sowie Umgang mit Open Source standen ebenfalls zur Diskussion.

Am Beispiel von DKT (Digitale Kuratierungstechnologien) in Zusammenarbeit mit dem DFKI wurde die Entwicklung einer Plattform mit weiteren Partnern (ART + COM, condat, 3pc und kreuzwerker) für ein Kuratierungs-Dashboard (Prototyp) vorgestellt. Die zu implementierenden Kuratierungsservices sollen dabei Forschungstools wie Named Entity Recognition, Geolocation, Temporal Analyser, Classification, Clustering, Textzusammenfassung, Maschinelles Übersetzen, Sentiment Analysis, Event Extraction und Semantic Storytelling unter einem großen Dach vereinen. Am Beispiel der Mendelsohn-Briefe wurde den Teilnehmenden ein umfassender Einblick in die bisherige Umsetzung dieses Vorhabens gegeben.

Abschließend fasste Rehm die inhaltlich-technologischen Schnittpunkte zwischen der KI-Forschung und den DH im Bereich Sprachtechnologie zusammen (u.a.  ORCiD, EOSCpilot, Open Research Knowledge Graph, Linked Open Data Cloud, Semantic Web, XML-, TEI- und WC3-Standards) und unterstrich das Potential der KI für die Digital Humanities im Bereich der Datenannotation und -analyse. (Folien)

Christiane Scherch