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Bericht zum Arbeitstreffen der AG Referenzcurriculum DHd in Paderborn

Das Arbeitstreffen der AG Referenzcurriculum DHd fand am 18. September 2017 am Heinz-Nixdorf Institut in Paderborn statt. Die Teilnehmenden verständigten sich in einer Gesprächsrunde sowohl über die Inhalte der AG an sich als auch über den zukünftigen Umgang von DH-Lehrangeboten an deutschsprachigen Universitäten. Details zur Sitzung können Sie in diesem Bericht nachlesen.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wurde zuerst auf bereits bestehendes Informationsmaterial hingewiesen, wie es bereits auf der Internetseite www.dig-hum.de in Form der Broschüre “Digitale Geisteswissenschaften” (Graz, 2015) zu finden ist. Schnell ergab sich, dass der Überblick über die bereits vorhandenen Studiengänge auf seine Aktualität hin zu überprüfen sei und ob es sinnvoll ist, dort Modulhandbücher zu sammeln. Darüber hinaus stellte sich im Allgemeinen die Frage, ob sich die AG als Verwalter dieser Studiengänge betrachtet und ob auch unspezifische Studiengänge wie beispielsweise die Angewandte Informatik mit aufgenommen werden sollen. Dies führte recht schnell zu der Grundsatzdebatte, wie weit bzw. eng man “DH” nun eigentlich fasse, und ob genannte Studiengänge relevant für eine Äquivalenzprüfung seien.

Eine Auflistung von einigen DH-Studiengängen wie beispielsweise aus Darmstadt, München, Regensburg, Trier, Mainz und Stuttgart warfen dann Fragen zu Zertifikationsprogrammen auf und wie diese moderiert werden sollen. Weitere daraus resultierende Fragen waren:

Wo gibt es überall DH-Studiengänge?
Wo werden DH-Nebenfächer und DH-Module angeboten?
Wer koordiniert diese Angebote wie?
Müssen für diese DH-Angebote Regularien gefunden werden?
Welchen Zweck sollte eine Auflistung dieser Angebote erfüllen?

Darüber hinaus wurde diskutiert, ob es Studiengänge gibt, die sich selbst den DH zuordnen würden und vielleicht in die Liste mit aufgenommen werden möchten? Für die Selbstzuschreibung soll (beispielsweise bei Informatik-Studiengängen) ein geisteswissenschaftlicher Bezug nachgewiesen werden.

Formular zur Erfassung von DH-Studiengängen und DH-Angeboten:

Des Weiteren wäre es sinnvoll, wenn Spezialitäten der einzelnen Standorte herausgebildet werden könnten. Das wäre beispielsweise über ein Formular zielgerichteter abrufbar, ähnlich wie bei den DH-Projekten. Profilbereiche könnten so stärker herausgestellt werden.

Wichtig wäre zu wissen, wer an den jeweiligen Standorten zuständig für DH im jeweiligen Fachbereich ist, beispielsweise Studiengangskoordinatoren oder auch einzelne Lehrkräfte mit speziellen DH-Veranstaltungen. Eine Idee wäre, einen Aufruf an die DHd-Community zu starten, damit sich die von selbst melden, die in diesem Zusammenhang betroffen sind. Das setzt natürlich voraus, dass von bspw. Studienfachkoordinatoren eine gewisse Eigenmotivation zur Vernetzung vorhanden ist.

Was für Zertifikatsmöglichkeiten gibt es außerdem an den einzelnen Standorten? Handelt es sich um Zusatzzertifikate, die zusätzlich zum Studium gemacht werden können, oder sind die DH fester Bestandteil innerhalb eines bestimmten Studienganges? Was wird wo angerechnet oder nicht? Wie geht man weiter mit Initiativen ohne einen eigenen Studiengang und nur mit partiellen Angeboten um? In diesem Zusammenhang stellte sich die Frage nach der Zielgruppe, die die AG erreichen möchte. Sollen nur Informationen für die Community selbst gesammelt und verwaltet werden oder besteht auch die Möglichkeit, (potentielle) Studierende zu informieren? Dabei beschloss die AG, dass sie sich nur im weiteren Sinne als Informationssammler für Studierende sieht, im engeren jedoch ihr Wissen an die wissenschaftliche Gemeinschaft weitergeben möchte.

Was repräsentiert die Webseite der AG? Hat die Aufgabe des Verbandes eine Servicefunktion?

Hingewiesen wurde auch auf eine Auswertung der DH-relevanten Stellen, die auf den Ausschreibungstexten des Soz-Kult-Blogs basieren. Für Jobdatenbanken sieht es mit den DH-Kriterien ähnlich aus wie bei Studiengängen: Die Parameter sind entscheidend, aber nicht eindeutig festgelegt.

Der ZEIT-Studienführer wurde außerdem aufgegriffen, denn dort informieren sich zumindest Studieninteressierte über mögliche Abschlüsse und Studiengänge. Natürlich wird hauptsächlich digital und nicht mehr vorrangig in Broschüren gesucht. Die DH-Repräsentation des Verbandes nach außen sollte allerdings die “bessere” Informationsstelle sein. Nach was googlen Studenten beispielsweise? Nach “DH”? Oder nach “Geschichte”, oder “Digital History”? Wie kommen sie “automatisch” zu DH?

Letztendlich führt auch dies wieder zu einer der bestimmenden Grundsatzfragen: Wer ist eigentlich “Digital Humanist”? Ist es jemand, der programmiert und einen Geisteswissenschaftler mit diesem Werkzeug bei Fragestellungen hilft? Was ist mit der Zusammenarbeit von Informatikern und Geisteswissenschaftlern, bei der keiner im entsprechend anderem Zweig eine Ausbildung hat? Suchen wir den perfekten Digital Humanist, der einfach beides kann? Interdisziplinäres Arbeiten wird also vorausgesetzt?

Informatik und Geisteswissenschaften müssen sich also gegenseitig bedingen. Wie wird es zukunftsorientiert aussehen, wenn die ersten “Digital Natives” als Lehrer ihr Wissen weitergeben?

Ergebnisse / Für ein weiteres Vorgehen:

Auf der Dhd in Köln 2018 wird sich die AG erneut treffen und einen Workshop anbieten, in dem offene Fragen gemeinsam erarbeitet werden können. Eventuell mit einer Evaluationen der bereits bestehenden Studiengänge: Was lief bisher gut, was eher schlecht?

Zur Auswertung besteht außerdem die Idee “Diploma Supplements” hinzuzuziehen. Auf diesen müssen im Grunde die Kernkompetenzen stehen, die im Studium erworben wurden. Kann man daraus eventuelle Kriterien beziehen? So könnte man ein Formular zur Erfassung der Studiengänge entwickeln und ergänzen und dieses dann als Aufruf über die einschlägigen Verteiler versenden.

Diskussion: DH - alles und nichts? Offene Fragen.

Was bildet die Dynamik der DH ab?
Wie sind die Studiengänge mit konkreten Seminaren anteilig aufgestellt?
Kann man die Kurse/Studiengänge auf DARIAH oder einem anderen bestehenden Portal hochladen?
Entwickelt die AG ein eigenes Profil, oder fangen parallel immer wieder alle bei Null an?

Zu bedenken ist nämlich, dass nur noch eine weitere Sammlung zu bereits bestehenden hinzukommen würde. Was ist also die Referenzfunktion der AG? - Auf der Metaebene ist sie in jedem Fall communitybildend: Sammelnd, recherchierend, abwägend und vergleichend.

Bericht: Christiane Scherch/SHK ifDHb